Märchen aus Samarkand

Geschichten aus Samarkand

Es war einmal ein maechtiger Magus, Hassan abu Said, der ein grosser Gelehrter der Geschichte und Magie Samarkands war. Seine Absichten waren lauter und sein Wesen war gut. Schon lange plante er eine kleine Korrektur in der Geschichte seines Landes, eine kleine Veraenderung. Dazu brauchte er Macht und er sollte sie erhalten, ungewollt, heimlich, da doch der Sultan eines grossen Landes ihn zu der Zeit zu einem Muhtasib, dem Marktwaechter ernannte, als seine Theorie nur noch darauf lauerte in die Praxis zu gehen. Er sammelte die Macht, die er benoetigte da, wo er sie im Ueberfluss bekam, bei den Besuchern. Und so oeffnete er ein Portal, um in der Zeit den Fehler eines magischen Experimentes zu korrigieren
Es begab sich zu einer Zeit, als Samarkand noch nicht existierte, als ueberall die Kriege tobten und Gewalt regierte. Eine Vergangenheit, die so weit entfernt und doch so nah ist. Zu jener Zeit begab es sich, dass eine Gruppe Krieger aus der Elite der Kaempfer, genannt die roten Tiger, von Shamadeij auszog, um ein Gastgeschenk an den Scheik von Ildiz zu ueberbringen. Dabei mussten sie das Land des Fuersten von Meshud durchqueren. Es gelang ihnen unentdeckt nach Ildiz zu kommen, aber auf dem Rueckweg lauerte der Gegner bereits auf sie und trieb sie in einer Karawanserei in die Enge. Die Gruppe war bereits auf ein Drittel ihrer urspruenglichen Groesse zusammengeschrumpft, als ploetzlich eine Gruppe Abenteurer erschien, die erschoepft und verwirrt die Karawanserei erreichten. Jene Gruppe waren Gesandte aus einer anderen Zeit und sie hatten maechtige Kaempfer und grosse Magier in ihren Reihen. Doch waren sie die Wirren des Krieges nicht gewohnt und so starben am Morgen des naechsten Tages hohe Angehoerige aus ihren Reihen. Verzweifelt, stumm und voll des Entsetzens mussten ihre Gefaehrten der Hinrichtung hilflos zusehen, da die Uebermacht des Feindes gar zu gross und maechtig war. Und so folgte Angriff auf Angriff, und die Tiger fielen, bis letztendlich nur noch die Gruppe der Fremden am Leben war, Dank eines einzigen Wesens, dem Da’narg-al-An . Begleitet war er von Much’s al-in, Si-al-h’rat, Tasch-ark, Al-tu’arg, Da’alron-li, Fralak-tel-or, Calass’t, Camli-ar, Tala Anthyr, Magrei und vielen Anderen.
Und sie besetzten den wichtigsten Ort der gesamten Umgebung, den Fluss. Den Fluss an dem die Achse der Welten lag, das Rad der Zeiten. Und sie kaempften weiter um ihr Leben, da ihnen als Alternative nur der Tod blieb. All ihre Hoffnung lag in den Haenden der sie begleitenden Magier. Doch es zeigte sich, dass deren Macht und Verstaendnis nicht ausreichte, um der ihnen gestellten Aufgabe auch nur annaehernd gerecht zu werden. Und sie entschlossen sich, nach langer Untaetigkeit, ein Ritual zu halten, das in sich eine gewisse Originalitaet verbergen sollte. Und so begannen sie.
Waehrenddessen durchsuchten alle Hochrangigen Magier Samarkands in Windeseile die Zeiten, fanden aber keine Spur. Jedenfalls nicht bis zu dem Zeitpunkt als die Magier der Besucher ihr Ritual in der Vergangenheit begannen. Es loeste in der vorhandenen Ordnung ein solch instabiles Chaos aus, dass es mit einem Leuchtfeuer vergleichbar war, das Nachts den Schiffen den Weg weist. In aller Eile wurde das von den samarkandischen Magiern vorbereitete Portal durch ein Ritual geoeffnet. Durch das Chaos des Rituals in der Vergangenheit waren die Magier gezwungen eine Art Tunnel zu erschaffen, der nicht voellig sicher gehalten werden konnte und durch eine Art Zwischenwelt fuehrte. Diese grosse Macht kostete 2 der 15 samarkandischen Magier das Leben und beraubte die restlichen Teilnehmer ihrer magischen Fertigkeiten fuer die Dauer mehrerer Monate. Zur weiteren Stabilisierung war ausserdem ein grosses Opfer erforderlich, das Leben zweier Leibwaechter des Sultans. Jeder Tiger schwoert dem Sultan zu dienen bis in den Tod und steht jederzeit zu diesem Wort. Nun war es erforderlich, dass zwei ihr Wort hielten. Trotz des Chaos und der in der Vergangenheit tobenden Kaempfe konnten alle Verschollenen so gerettet werden.
Sie kamen zurueck und die Magier, mit dem Sultan als hoechsten Teilnehmenden zogen sich diskret zurueck, erfreut, dass ihre Freunde ueberlebt hatten. Betruebt, das alte Kampfgefaehrten den Tod fanden bei dem Ritual. Merkwuerdigerweise interessierte sich keiner der anwesenden Magier dafuer, warum ihr mehrmals missgluecktes Ritual trotzdem seinen Zweck erfuellte. Die beteiligten samarkandischen Magi waren darueber verwundert aber dachten, dass dieser Mangel an Interesse wohl auf die Erschoepfung zurueckzufuehren war. Was aber verwunderlicher fuer sie war, war die Tatsache, dass diese Erzmagier, die ein Talent fuer Magie hatten, dass an einer samarkandischen Akademie noch nicht einmal zu einer Aufnahmepruefung genuegt haette, sich als die Retter, die Helden feiern liessen.
Nun, sei es wie es sei, aus Freude veranstaltete der Sultan, trotz seiner Erschoepfung, ein Festmahl um sich mit seinen Gaesten am Leben und dem Tag zu freuen. Doch kurz vor Ende des Festmahles erhielt der Sultan einen Schlag ins Gesicht, der alle anwesenden Samarkandi den Atem anhalten liess: Es kam waehrend des Festessens zu einer Forderung auf Leben und Tod, wobei die Beteiligten darauf beharrten, dass dieses Duell sofort ausgefochten wurde. Alle verliessen nun den Festsaal, um dem blutigen Treiben beizuwohnen, in dessen Verlauf Da’alron-li den Tod fand. Der Sultan blieb allein zurueck mit den Samarkandi, den Ratsmitgliedern und drei freundlichen Gaesten: Aaron, Marduk und Tecumseh. Sogar die Sultanin verliess ohne ein Wort den Tisch des Sultans.
Ansonsten war den Gaesten dieser Eklat vollstaendig gleichgueltig. Dadurch wandelte sich das Gastbild bei fast allen Samarkandi. Auch merkwuerdige Verhaltensaenderungen trugen zu den neuen Ansichten bei. Ratsmitglieder auf Reisen aenderten ihr Verhalten ausserhalb Samarkands. Sie wurden haerter, gnadenloser und laechelten nur noch wenig. Selbst die Sultanin, nur gepraegt durch den kurzen Einfluss der Fremden, vergass all ihre Pflichten gegenueber dem Land und dem Sultan. Seitdem spricht man Gastrecht nur noch an engste Freunde aus, Besucher werden strengstens ueberwacht und Besucher fallen unter die samarkandische Rechtsprechung. Der Sultan redet nur noch ueber Mittelsmaenner und Mittelsfrauen. Alle Laender jenseits der Grenzen Samarkands sind ab sofort nur noch die Barbarenland genannt. Da Fremde nur im Kampf ihre Erfuellung und ihren Weg finden und ihnen Traditionen fremder Laender und deren Sitten gleichgueltig sind, werden sie mit freundlicher Zurueckhaltung behandelt aber ohne Respekt. So erzählen sich die Gelehrten als warnendes Beispiel.

Harun al-dschemlak, schreiber des Sultanates Samarkand. Schreiben zu geben an alle offiziellen Bibliotheken und Gildenhaeuser